Die Prinzessin auf der Erbse
Ein Prinz suchte auf der ganzen Welt nach einer echten Prinzessin, und erkannt hat sie die alte Königin, mit Hilfe einer einzigen kleinen Erbse.
- Ein ruhiges Märchen
Es war einmal in einem Königreich ein Prinz. Er wollte heiraten, aber nicht irgendwen, sondern nur eine echte Prinzessin.
„Wo soll ich sie nur finden?“, seufzte er.
Da sattelte der Prinz sein Pferd und zog hinaus in die Welt. Klipp-klapp, über die Berge. Klipp-klapp, durch die Wälder. Klipp-klapp, über die weiten Felder.
Prinzessinnen traf er viele. Die eine lachte so laut, dass die Fensterscheiben klirrten. Die zweite zählte den ganzen Tag ihre Kleider und wurde nie damit fertig. Die dritte war eigentlich nett, aber irgendetwas stimmte nicht mit ihr, und was, das wusste der Prinz selbst nicht.
Und jedes Mal dachte er:
„Eine Prinzessin? Scheint so. Aber eine echte? Wer weiß …“
Traurig, ganz traurig kam der Prinz nach Hause zurück.
„Es gibt keine echte Prinzessin auf der Welt“, sagte er.
Die alte Königin, seine Mama, lächelte nur verschmitzt.
Eines Abends brach ein furchtbares Unwetter los. Hu-u-u!, heulte der Wind. Rumms-bumm!, donnerte es. Der Regen goss wie aus Eimern.
Und da – klopf-klopf-klopf! – klopfte jemand ans Stadttor.
Der alte König ging selbst hin, um zu öffnen. Er schaut, und draußen vor dem Tor steht ein Mädchen. Patschnass! Das Wasser lief ihr von den Zöpfen, vom Mantel, und in den Schuhen schmatzte es.
„Guten Abend“, sagt sie und zittert. „Ich bin eine Prinzessin. Eine echte.“
„Na, das werden wir ja sehen“, dachte die Königin. Aber laut sagte sie nichts.
Die Königin ging in das Gästezimmer. Sie nahm alles vom Bett, und auf die nackten Bretter legte sie eine kleine grüne Erbse. Auf die Erbse legte sie eine Matratze. Auf die Matratze noch eine Matratze. Und noch eine und noch eine … Zwanzig Matratzen! Und obendrauf zwanzig Daunendecken, weich wie kleine Wolken.
Das Bett wurde so hoch, dass der Gast auf einer Leiter hinaufsteigen musste.
„Gute Nacht“, sagte die Königin und zog leise die Tür zu.
Am Morgen versammelten sich alle zum Frühstück.
„Wie haben Sie geschlafen?“, fragt die Königin.
„Ach, schlecht!“, seufzte die Prinzessin. „Ich habe kaum ein Auge zugetan. Da lag etwas Hartes, ganz Hartes. Ich habe mich hin und her gewälzt, und jetzt tut mir alles weh!“
Der König klatschte in die Hände, und die Königin lachte:
„Sie hat die Erbse durch zwanzig Matratzen und zwanzig Daunendecken gespürt! Nur eine echte Prinzessin ist so zart!“
Der Prinz strahlte übers ganze Gesicht. Jetzt wusste er ganz sicher: Da ist sie, die echte.
Bald wurde Hochzeit gefeiert, und der Prinz musste nicht mehr durch die Welt reiten.
Die Erbse aber kam in die königliche Schatzkammer, unter Glas, gleich neben die goldenen Kronen. Man sagt, sie liegt noch heute dort – wenn sie nicht jemand mitgenommen hat.
Das ist die ganze wahre Geschichte.





