Timko und das große Töpfchen
Igel Timko kann schon aufs kleine Töpfchen, doch vor dem großen, wie Mama und Papa ihn haben, hat er Angst, bis Papa zur Schnur greift.
Reihe „Timko“ · Märchen 3 von 9
- Ein ruhiges Märchen
Es war einmal im Eichenhain ein Igeljunge namens Timko. Er konnte schon ganz allein aufs Töpfchen gehen. Auf das kleine, rote, mit dem Henkel wie ein Öhrchen.
„Ich allein!“, sagte Timko jedes Mal und schnaubte stolz durch die Nase.
Eines Morgens sagte Mama:
„Timko, du bist schon groß. Willst du nicht das große Töpfchen ausprobieren? So eins wie Papa und ich.“
Das große Töpfchen stand in einem winzigen Kämmerchen. Aus Holz, hoch, mit einem Deckel. Und in der Mitte ein Loch. Ein rundes, kugelrundes, riesengroßes Loch!
Timko schaute hinein und – huschhusch! – rollte sich zu einer Kugel zusammen. So machen es alle Igel, wenn sie Angst haben.
„Und wenn ich da hineinfalle?“, piepste die Kugel. „Wie eine Eichel in ein Astloch!“
Mama strich ihm über die Stacheln.
„Ich sehe, dass du Angst hast. Das ist ganz normal.“
Und sie ging in die Küche.
„Ich backe mal einen Kuchen, nur für alle Fälle.“
Am nächsten Morgen besuchte Timko das große Töpfchen.
„Guten Tag, Töpfchen“, sagte er höflich. „Du frisst mich doch nicht?“
Das Töpfchen schwieg.
„Morgen“, beschloss Timko. „Morgen setze ich mich auf dich.“
Und er lief zu seinem kleinen zurück.
Und am Morgen darauf lief Timko zu Papa.
„Papa, im großen Töpfchen wohnt ein Frosch! Der badet da drin.“
Papa schaute ins Kämmerchen. Einen Frosch gab es nicht.
„Dann ist er wohl Pilze sammeln gegangen“, sagte Timko. „Morgen!“
Papa schwieg einen Moment. Dann holte er eine Schnur.
„Setz dich mal auf den Baumstumpf, mein Sohn.“
Timko setzte sich. Papa maß ihn mit der Schnur ab: so, und noch so. Er wollte es aufschreiben.
„Wo ist denn mein Bleistift?“
Timko kicherte und zeigte mit der Pfote auf Papas Ohr. Der Bleistift steckte dort, wie immer.
Papa ging in die Werkstatt. Von dort hörte man lange: Schuer-schuer machte die Säge, Klopf-klopf der Hammer. Und Mama backte inzwischen schon den zweiten Kuchen. Für alle Fälle.
Nach dem Mittagessen trug Papa zwei Dinge heraus. Eine kleine hölzerne Stufe mit einem eingeschnitzten Sternchen. Und einen runden Sitz, genau in Timkos Größe. Papa legte ihn auf das große Töpfchen – klack! – und das Loch wurde klein. Nicht riesengroß, sondern genau richtig.
Timko sah die Stufe an. Den Sitz. Papa. Dann blieb er stehen, schnaubte durch die Nase und sagte:
„Einatmen, ausatmen – und los!“
Er stieg auf die Stufe – tapp. Er setzte sich – plumps. Er saß! Und fiel nirgendwohin.
„Ich allein!“, rief Timko durch den ganzen Eichenhain. „Ich allein auf dem großen!“
Mama lachte und holte die Kuchen. Beide. Es waren, wie immer, viel zu viele Kuchen, also brachten sie einen zu Oma Eule.
Und das kleine rote Töpfchen schob Timko feierlich zu Lilli hinüber.
„Jetzt gehört es dir. Ich bin schon groß geworden.“
Lilli krabbelte einmal ganz um das Töpfchen herum, schnupperte daran … und setzte ihren Stoffhasen hinein.
„Nein, nein!“, lachte Timko. „Für den Hasen ist es noch zu früh! Er ist doch noch ganz klein.“
Dann stellte Papa Timko an das Brettchen am Küchentürrahmen und zog über seinen Stacheln einen neuen Strich. Timko wusste schon, wo er den Bleistift suchen musste, und zog ihn Papa selbst hinter dem Ohr hervor. Papa malte neben den Strich ein winziges Sternchen.
Timko betrachtete das Sternchen und schnaubte stolz:
„Ich allein! Na ja, und Papas Stufe – ein klitzekleines bisschen.“





