Rexik, Trika und der große Regen
Rexiks und Trikas Papas wetteifern um den besten Unterschlupf vor dem Regen. Doch am besten ist ein buckliger Stein, der gestern noch nicht da war.
Reihe „Rexik“ · Märchen 2 von 9
Ausmalbilder zu diesem Märchen
- Ein bisschen gruselig
Über das Farntal schob sich eine schwarze Wolke. Bumm! – donnerte es. Und dann goss es, als hätte jemand einen ganzen Fluss auf den Kopf gestellt.
„Schnell, unterstellen!“, rief Rexiks Papa. „Ich baue uns gleich einen Unterschlupf. Den stärksten im ganzen Tal!“
„Pah!“, schnaubte Onkel Horn. „Meiner wird besser.“
Und schon ging es los. Papa schleppte Äste heran: knack, knack! Onkel Horn rupfte Farn: raschel, raschel! Beide schnauften und schielten dabei zum anderen hinüber.
„Äste sind stark!“, brüllte Papa.
„Farn ist schlau!“, brüllte Onkel Horn.
Doch der Donner brüllte lauter als beide zusammen.
Rexik und Trika standen im Regen und warteten. Von ihren Nasenspitzen tropfte es. Rexik sah sich um. Neben dem Pfad lag ein großer, buckliger Stein. Er war grünbraun, über und über mit Höckerchen bedeckt, und obendrauf wuchs eine gelbe Blume.
„Trika“, flüsterte Rexik, „gestern war dieser Stein noch nicht da.“
„Steine laufen doch nicht, Herr Lieber-Nicht!“, lachte Trika.
„Fertig!“, sagte Papa stolz.
Der Unterschlupf aus Ästen hielt genau ein Minütchen. Dann – knack! – krachte er Papa direkt auf den Kopf.
„Aha!“, freute sich Onkel Horn und kroch unter seinen Farn.
Raschel … Der Farn rutschte ihm über die Hörner wie ein nasser Hut. Und das Wasser lief ihm – platsch! – direkt in den Kragen.
Da standen die Papas nun, klatschnass und grimmig.
„Das liegt an deinen Ästen!“
„Nein, an deinem Farn!“
Rexik und Trika mussten sich vor Lachen fast hinsetzen.
„Schnell, unter den Stein!“, rief Trika und rannte als Erste los.
„Vielleicht lieber nicht?“, zögerte Rexik. Aber der Regen lief ihm schon in den Nacken, also schlüpfte er hinterher.
Unter dem buckligen Rand war es trocken. Und warm. Und … da atmete jemand.
„Trika“, wisperte Rexik. „Der Stein atmet. Hörst du? Chrrr … chrrr …“
Da bewegte sich der Stein. Er seufzte. Und unter ihm schaute ein alter Kopf mit freundlichen, verschlafenen Äuglein hervor.
„Wer kitzelt mich denn da unter meinem Panzer?“, gähnte Oma Anki.
„Oma Anki!“, staunte Trika. „Wir dachten, du bist ein Stein!“
„Ach, das denke ich manchmal selbst“, lachte Oma Anki.
Ankylosaurier haben wirklich einen Panzer aus Knochenplatten auf dem Rücken, hart wie Stein. Darunter macht einem auch der größte Regenguss keine Angst.
Da kamen die Papas angelaufen, nass bis zur allerletzten Schuppe.
„Mein Unterschlupf war der tollste!“, schnaufte Rexiks Papa.
„Der drolligste?“, fragte Oma Anki nach. „Da hast du recht, mein Junge. Ich hab alles gesehen. Der drolligste!“
„Und meiner war der trockenste!“, brummte Onkel Horn.
„Der tropfendste? Stimmt genau, Horn. Tropfender geht es nicht!“
Die Kinder kugelten sich vor Lachen. Die Papas sahen sich an … und dann mussten sie auch lachen. Unter den Panzer passten sie nicht, also blieben sie einfach im Regen stehen. Nass, aber nicht mehr grimmig.
Als der Regen nachließ, stand Oma Anki langsam auf. Von ihrem Rücken fiel ein Blatt. Es war knochentrocken, das einzige trockene Blatt im ganzen Tal.
„Nimm es“, sagte Oma Anki. „Zur Erinnerung an den drolligsten Unterschlupf.“
Am Abend legte Rexik das Blatt auf sein Regal, neben seinen gestreiften Kieselstein und seine Feder.
„Als ich so klein war wie du“, fing Papa an, „da habe ich mal einen Unterschlupf für das ganze Tal gebaut …“
„Kenn ich, kenn ich“, schmunzelte Mama. „Und dann ist er eingekracht.“
Rexik lachte, kuschelte sich in sein Nest und machte die Äuglein zu. Und das trockene Blatt auf dem Regal duftete noch nach Oma Ankis warmem Panzer.





